Unsere Ehrenvorsitzenden

Seit der Gründung des bayerischen Cimbern-Kuratoriums sind über 40 Jahre vergangen. Zu jeder Zeit seines Bestehens wurde der eingetragene Verein von hervorragenden Vorstandsvorsitzenden und Vorständen geleitet. Als Ehrenvorsitzende bleiben die zumeist langjährigen Vorsitzenden unsere wichtigsten Berater und Mitglieder. Jenen, die nicht mehr unter uns sein können, bleiben wir in dankbarer » Erinnerung verbunden.

Josef Seidl, 1. Vorsitzender von 1994 - 2013

Josef Seidl, Vorsitzender des bayerischen Cimbernkuratoriums (1994-2013)Josef Seidl, Jahrgang 1939, wohnhaft in Kumhausen, war von 1999 bis 2013 der erste Vorsitzende des Bayerischen Cimbern-Kuratoriums - eine Aufgabe, die ihm nach eigenem Bekunden viel Freude machte.

Seine erste Fahrt nach Cimbern unternahm der ehemals stellvertretende Landrat des Landkreises Landshut aber schon 1978 als Kuratoriumsmitglied. Der Kumhauser gehört außerdem zu den Gründungsvätern der Stiftung.

"Das Bewahren des Cimbrischen steht heute im Vordergrund"

Der heute 75-Jährige sagt das im Jahr 2009 etwas wehmütig, doch nicht ohne Hoffnung. Zwar blutet die cimbrische Sprachkultur allmählich aus, weil es den Dörfern an Nachkommen mangelt und viele Cimbern in moderne Zentren Italiens abgewandert sind - doch es gibt Lichtblicke auf dem geduldigen Weg zum dokumentatorischen und auch praktischen Erhalt des einmaligen, altertümlichen Sprachschatzes.

Seidl selbst ist immer wieder angetan von den sprachlichen Verwandtschaften zum heute gebräuchlichen Bayerisch. Er scheut selbst auch keine Anstrengung, wenn es seine Herzensangelegenheit geht - Kulturgut von damals, verewigt in der Technik von heute:

Ein cimbrisches Wörterbuch auf CD

Satte 300 Leitz-Ordner voll cimbrischer Wörter - jahrzehntelang zusammengetragen vom Gründungsvater des Kuratoriums, Hugo Resch - hat der Sprachwissenschaftler Anthony Rowley dafür mir seinen Mitarbeitern an der Bayerischen Akademie der Wissenschaften gesichtet und anschließend digitalisiert.

Lebendige Partnerschaften

zwischen bayerischen und cimbrischen Gemeinden sind ein Resultat aus dieser Arbeit. Seidl erinnert sich gerne an die enthusiastischen Anfänge: "Die Gemeinde Velden hat 1976 als Erste einen Partnerschaftsvertrag abgeschlossen. Mit dem Dorf Roana aus den Sieben Gemeinden. Die Kontaktpflege auf "unterer Ebene" hält der erste Vorsitzende des Kuratoriums für enorm wichtig.

Begrüßung auf Cimbrisch:
"Guuten takh, Héere Seidl.
Bénne vorkhémma bar sich?"
"Bas bill mòonan ditzan?"


Was das bedeutet? Ganz einfach:
"Guten Tag, Herr Seidl.
Wann treffen wir uns?"

"Vor Ort bekommt man erst einen Eindruck von der cimbrischen Sprache und den Bräuchen", sagt er. "In vielen Gemeinden gibt es einen Schützenverein oder Böllerschützen. Außerdem haben sich die Cimbern ihre Tracht und das Liedgut erhalten."

Seidl selbst fühlt sich auch im Cimbernland heimisch, auch wenn er sich nicht vorstellen kann, für immer dort zu leben. Zu sehr ist er in seiner niederbayerischen Heimat verwurzelt.

Quelle: "Das vergessene Bairisch", Beitrag von Michael Brandl in: "Der Sonntag", Ausgabe vom 27./28.02. 2010, Wochenbeilage des Donaukurier mit seinen Heimatzeitungen